IFS Food 8

Was geht im Kopf Ihres Auditors vor?

Die Umstellung auf Version 8 ist geschafft, die ersten Audits nach dem neuen Protokoll laufen. Doch während wir QMBs uns durch geänderte KO-Kriterien und neue Formulierungen arbeiten, stellt sich die Frage: Hat sich die Sichtweise des Auditors verändert?

Die Antwort ist ein klares Ja. Ein Auditor bei einem IFS 8 Audit tickt heute strategischer als je zuvor.

1. Der neue Fokus: „Show me, don’t tell me“

In der Version 8 liegt ein massiver Schwerpunkt auf der Food Safety Culture. Der Auditor möchte nicht mehr nur ein unterschriebenes Dokument der Geschäftsleitung sehen.

  • Seine Motivation: Er sucht nach dem „Spirit“ im Betrieb. Er beobachtet die Mitarbeiter an den Linien: Wissen sie, warum sie die CCPs prüfen? Wird Hygiene gelebt oder nur dokumentiert?
  • Der Trigger: Wenn der Auditor merkt, dass die Kultur authentisch ist, gibt ihm das die Sicherheit, dass das System auch funktioniert, wenn er nicht im Haus ist. Das reduziert seinen internen Rechtfertigungsdruck bei der Zertifizierungsstelle.

2. Die „Angst“ des Auditors: Das Integrity Program

Man darf nicht vergessen: Der Auditor steht unter enormem Druck. Der IFS hat mit der Version 8 sein Integrity Program weiter verschärft.

  • Wer prüft ihn? Speziell geschulte IFS-Prüfer führen unangekündigte Follow-up Audits durch. Wenn ein Auditor bei Ihnen ein „A“ gibt, aber zwei Wochen später findet der IFS-Prüfer einen groben Hygienemangel, drohen dem Auditor Strafpunkte (Yellow/Red Cards).
  • Die Folge: Er wird bei den neuen Anforderungen (z.B. dem Umgang mit Fremdkörpermanagement oder der Schädlingsbekämpfung) extrem tief bohren, um seine eigene Zulassung nicht zu gefährden.

3. Was ist neu im „Mindset“ bei Version 8?

In der V8 wurden viele Details gestrafft. Der Auditor achtet nun verstärkt auf:

BereichDer Fokus des Auditors (V8)
B-BewertungenDiese sind jetzt wieder „Abweichungen“. Der Auditor muss hier genau begründen, warum es kein „A“ ist. Er wird also pingeliger bei der Dokumentation kleinerer Mängel.
ReportingDie Berichte müssen präziser sein. Der Auditor schreibt den Bericht für den Reviewer der Zertifizierungsstelle – er braucht „harte“ Fakten, um Ihre Konformität zu belegen.
Unangekündigte AuditsDie Pflichtquote sorgt dafür, dass Auditoren darauf trainiert sind, den „echten“ Zustand zu sehen, nicht die „Show-Veranstaltung“.

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4. Profi-Tipp für QMBs: Den Auditor „füttern“

Ein IFS-Auditor ist dann zufrieden, wenn er seinen Bericht mühelos mit objektiven Nachweisen füllen kann.

  • Vorbereitung: Haben Sie die Auswertung Ihrer Food Safety Culture Ziele griffbereit? Können Sie zeigen, wie sich die Fehlerrate durch Schulungen verbessert hat?
  • Die Psychologie nutzen: Wenn Sie proaktiv auf eine Schwachstelle hinweisen, die Sie bereits im internen Audit identifiziert und mit einem Korrekturmaßnahmenplan (CAPA) versehen haben, nehmen Sie dem Auditor den Wind aus den Segeln. Er sieht: Das System steuert sich selbst.

Fazit: Der IFS 8 Auditor ist kein Gegner, sondern ein Getriebener des Systems. Er braucht Ihre Qualität, um seine eigene Qualität gegenüber dem IFS-Büro und der Akkreditierungsstelle nachzuweisen. Wenn Sie ihm zeigen, dass Lebensmittelsicherheit bei Ihnen kein Papier-Tiger, sondern Unternehmenskultur ist, wird das Audit zum fachlichen Austausch statt zum Verhör.

5 Critical Food Safety Culture Fragen (IFS 8)

1. An das Management: „Wie spiegeln sich Ihre Lebensmittelsicherheitsziele in der Ressourcenplanung (Personal/Investitionen) für dieses Jahr wider?“

2. An die Produktion: „Was unternehmen Sie sofort, wenn Sie bemerken, dass eine Maschine nicht ordnungsgemäß reinigt, auch wenn der Produktionsplan eng ist?“

3. An die QS/QMB: „Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Kultur-Maßnahmen? Zeigen Sie mir die Auswertung der Mitarbeiterbefragung oder der Melderate von Beinahe-Fehlern.“

4. An den Einkauf: „Wie beeinflusst das Thema Lebensmittelsicherheit Ihre Entscheidung bei der Auswahl eines neuen Rohstofflieferanten, wenn dieser zwar günstig, aber riskant ist?“
5. An die Instandhaltung: „Wie stellen Sie sicher, dass nach einer Reparatur keine Fremdkörper in der Linie verbleiben und wer gibt die Anlage offiziell wieder frei?“