Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis)
Die Pharaoameise ist eine winzige, aus den Tropen stammende Ameisenart aus der Unterfamilie der Myrmicinae (Knotenameisen). In Mitteleuropa gilt sie als einer der gefährlichsten und anspruchsvollsten Hygiene-, Gesundheit- und Lästlingsschädlinge. Durch ihre Neigung zur Bildung riesiger, vernetzter Superkolonien mit Tausenden von Königinnen und ihrer ausgeprägten Tendenz zur Kolonieteilung stellt sie extreme Anforderungen an die professionelle Schädlingsbekämpfung.

Herkunft und Verbreitung in Deutschland
Ursprünglich stammt die Pharaoameise höchstwahrscheinlich aus den Tropen Südasiens oder Afrikas. Über den weltweiten Waren- und Personenverkehr hat sie sich als weltweiter Kosmopolit verbreitet.
- Vorkommen: Da die Pharaoameise extrem thermophil (wärmeliebend) ist, kann sie in mitteleuropäischen Breitengraden im Freiland nicht überwintern. Sie besiedelt daher ausschließlich dauerhaft beheizte Gebäude mit hoher Luftfeuchtigkeit.
- Typische Standorte: Krankenhäuser, Pflegeheime, Großküchen, Wäschereien, Bäckereien, Gewächshäuser, Schwimmbäder sowie zentral beheizte Wohnblöcke (besonders solche mit Fernwärmeversorgungsnetz).
Lebensweise und Biologie
- Erscheinungsbild: Die Arbeiterinnen sind mit nur 1,5 bis 2 mm Körperlänge winzig. Sie sind bernsteingelb bis hellrotbraun gefärbt, der Hinterleib (Gaster) ist an der Spitze meist dunkler. Die Königinnen sind etwa 3,5 bis 4,5 mm lang und dunkelbraun.
- Nestbau: Die Pharaoameise baut keine klassischen Erdnester. Sie nutzt kleinste bauliche Hohlräume in warmen Wandzonen, hinter Fliesen, in Lichtschaltern, Steckdosen, Heizungsrohrverkleidungen, Aufzugsschächten oder medizinischen Geräten.
- Sozialstruktur & Fortpflanzung: Polgyne und polydome Superkolonien. Eine einzige Kolonie kann Hunderte fruchtbare Königinnen und Hunderte Tausend Arbeiterinnen umfassen, die auf viele Tochterneester verteilt sind. Die Paarung findet im Nest statt; ein Hochzeitsflug im Freiland entfällt. Bei Störungen, Platzmangel oder dem unsachgemäßen Einsatz von Repellenzien bildet die Kolonie sprunghaft neue Ableger (Spatzen- oder Nestteilung).
Nahrungsspektrum
Im Gegensatz zu heimischen Ameisenarten ist die Pharaoameise primär protein- und fettorientiert:
- Bevorzugte Nahrung: Eiweiß- und fettreiche Substanzen wie Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Blut, Wundsekrete, Kadaver sowie Eiter.
- Begleitnahrung: Süßwaren, Zucker, Marmelade und flüssige Kohlenhydrate werden ebenfalls angenommen, stehen jedoch an zweiter Stelle.
Befallshinweise: Wie erkennt man die Pharaoameise?
Ein Befall mit Pharaoameisen wird aufgrund der geringen Körpergröße oft erst spät erkannt, birgt aber erhebliche Risiken:
- Unscheinbare Laufstraßen: Sehr feine, zarte Ameisenstraßen entlang von Fliesennoten, Kabelkanälen oder Heizungsrohren, oft erst bei genauerer Betrachtung sichtbar.
- Präsenz an feucht-warmen Orten: Gehäuftes Auftreten im Umfeld von Wassertanks, Siphons, Tropfschalen, Spülmaschinen und Wärmequellen.
- Eindringen in sensible Bereiche: Auffinden der Tiere in sterilen Verpackungen, unter Wundverbänden, in Infusionsbestecken oder Geräten in medizinischen Einrichtungen.
- Gesundheitsgefahr: Die Pharaoameise gilt als gefährlicher Hospitalismus-Schädling. Durch ihre Vorliebe für infektiöses Material (Wundsekrete, benutzte Verbände, Müll) und ihr Eindringen in kleinste Ritzen verschleppt sie mechanisch pathogene Keime (z. B. Streptococcus, Staphylococcus, Pseudomonas, Salmonella) und kann multiresistente Erreger übertragen.
Professionelles Monitoring
Ein lückenloses Monitoring ist unverzichtbar, um das Ausmaß der Befallszone im Gebäude exakt abzugrenzen:
- Proteingel- und Leberwurst-Monitore: Ausbringen von spezifischen Eiweiß- oder Fettmonitoren (z. B. mit Tupfern aus Leberwurst oder Spezialgel) im Rasterverfahren.
- Kartierung: Exakte Erfassung aller positiven Fangpunkte, um die Vernetzung der Nebennester über Schächte und Rohrleitungen nachzuvollziehen.
- Ausschluss von Kontaktsprays: Strikter Verzicht auf Austreibsprays während des Monitored, da dies zur sofortigen Zersplitterung der Kolonie führt.
Abwehr und Bekämpfung
Die Bekämpfung der Pharaoameise erfordert ein koordiniertes, oft gebäudeweites Vorgehen. Der Einsatz herkömmlicher Insektizidsprays ist strengstens verboten, da er das Problem durch Nestteilung vervielfacht.
- Systemische Köderverfahren (Gelköder): Der einzige wirksame Weg zur Tilgung. Einsatz von hochattraktiven, verzögert wirkenden Fraßködern (Fraßgifte oder Entwicklungshemmer wie IGRs), die Proteine oder Fette enthalten. Die Arbeiterinnen tragen den Wirkstoff ins Nest und füttern die Königinnen und die Brut (Trophallaxis), bis die Fortpflanzungskette reißt.
- Gebäudeweite Raumbehandlung: Befallene Komplexe (z. B. Krankenhausflügel oder Mehrfamilienhäuser) müssen zeitgleich und flächendeckend behandelt werden, um Ausweichbewegungen zu verhindern.
- Bauhygiene: Verschließen von Rohrdurchführungen, Kabelkanälen und Wandspalten nach erfolgreicher Tilgung.
Gesetzlicher Rahmen und Hygienevorschriften
Aufgrund ihres Potenzials zur Erregerübertragung steht die Pharaoameise im Fokus des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Auftreten in medizinischen Einrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeheime) oder Großküchen erfordert die unverzügliche Einleitung fachgerechter Entwesungsmaßnahmen nach DIN 10523 (Lebensmittelhygiene – Schädlingsbekämpfung). Ein unzureichend behandelter Befall kann zur Schließung von OP-Sälen, Stationen oder Verarbeitungsbetrieben durch die Gesundheitsbehörden führen.
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Ergänzende Arten im Vergleich
Die Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus)
Die Zweifarbige Wegameise wird gelegentlich mit der Pharaoameise verwechselt, unterscheidet sich jedoch biologisch und größenmäßig deutlich. Die Arbeiterinnen sind mit 3,5 bis 4,5 mm wesentlich größer als Pharaoameisen und weisen eine prägnante Zweifarbigkeit auf: Der Brustabschnitt (Thorax) ist rötlich-braun, während Kopf und Hinterleib dunkelbraun bis schwarz gefärbt sind.
Im Gegensatz zur tropischen Pharaoameise ist Lasius emarginatus eine heimische, wärmeliebende Art, die hervorragend an Fels- und Steinstrukturen angepasst ist. Im urbanen Raum nutzt sie vorzugsweise die Bausubstanz von Gebäuden (Mauerwerk, Fugen, Hohlblocksteine, Dämmungen) zum Nestbau. Sie ernährt sich primär von Honigtau und Insekten und stellt keinen klassischen Hospitalismusschädling dar, kann jedoch durch das Ausräumen von Fugenmaterial Bauschäden verursachen.
Die Argentinische Ameise (Linepithema humile)
Die Argentinische Ameise ist eine aus Südamerika stammende, invasive Ameisenart, die sich wie die Pharaoameise durch die Bildung riesiger, vernetzter Superkolonien mit vielen Königinnen (polygyn) auszeichnet. Die Arbeiterinnen sind ca. 2 bis 3 mm groß und einheitlich hellbraun bis dunkelbraun gefärbt.
Während die Pharaoameise in Mitteleuropa streng an beheizte Gebäude gebunden ist, kann die Argentinische Ameise in milderem Klima (z. B. im Mittelmeerraum) auch im Freiland überleben. In Deutschland tritt sie bisher vor allem in dauerbeheizten Großkomplexen, Gewächshäusern oder Baugruppen auf. Sie ist extrem aggressiv gegenüber heimischen Ameisenarten, verdrängt diese vollständig und nutzt wie die Pharaoameise die verdeckte Verteilung über Gebäudestrukturen.
